Restaurierung

Als die Genossenschaft Pro Binntal das Hotel im Jahr 1987 kaufte, befand es sich in einem desolaten Zustand. Der Zahn der Zeit hatte kräftig am Gebäude genagt: Die Fassade bröckelte, das Dach war nicht mehr dicht, die Tage des Hotels schienen gezählt. Mit vereinten Kräften gelang es in den folgenden Jahren, das Hotel Ofenhorn zu retten.

Zunächst musste die Gebäudehülle gesichert, saniert und restauriert werden. Die Fassade wurde wieder hergerichtet, das Dach mit der eindrücklichen Doppelreihe von Lukarnen vollständig isoliert und neu gedeckt, die Veranda nach ursprünglichen Massen nachgebaut. Die verlotterten, undichten Fenster wurden durch zeitgemässe, energiesparende Fenster ersetzt. Anfang der neunziger Jahre erstrahlte das Hotel Ofenhorn – wenigsten von aussen – wieder im alten Glanz. Der Schweizer Heimatschutz zeichnete das Hotel 1992 für die gelungene Restaurierung aus.

Im Innern allerdings konnte die Genossenschaft damals nur wenig investieren. Die Küche mitsamt der Einrichtung wurde erneuert. Der Speisesaal erhielt einen neuen Boden aus Lärchenholz und einen frischen Anstrich an den Wänden. Auch wurde die Lingerie mit modernen Waschmaschinen ausgestattet. Dann klaffte ein Loch in der Kasse, und die Genossenschaft musste die Restaurierung der Innenräume auf später verschieben.

Nach 2003 hatte sich die Genossenschaft Pro Binntal soweit konsolidiert, um die Rennovation von sieben Zimmer zu realisieren. Dabei stand die Steigerung des Komforts und weniger die Erhaltung historischer Bausubstanz im Vordergrund. Allerdings wurden die originalen Böden und Türen, wenn auch neu gehobelt, belassen. Ein Teil der Möbel wurde nach den historischen Vorbildern von einem Schreiner aus der Region neu gebaut.

Im Vorfeld des 125-Jahr-Jubiläums im Jahr 2008 machte sich der Vorstand vertieft Gedanken über die Zukunft des Hotels. Dabei wurde die Geschichte als das wichtigste «Kapital» des Hotels erkannt und beschlossen, bei den weiteren Arbeiten die historischen Bauelemente und Möbel besonders zu gewichten. Der bekannte Hotelhistoriker Dr. Roland Flückiger erstellte einen ersten wegweisenden Bericht. Die Genossenschaft konnte die kantonale Denkmalpflege dafür gewinnen, in der Baukommission mitzuwirken.

Im Winter 2007/08 konnte die erste Etappe der Innenrestaurierung realisiert werden. Dabei wurden in der Empfangshalle und im Bistro die ursprünglichen Dekors mit Biedermeier- und Jungendstilmalereien freigelegt und die alten Holzböden ans Tageslicht geholt. Die Walliser Stube, mit den charakteristischen Elementen der 1940er Jahre (so genannter «Landi-Stil»), wurde aufgefrischt. Vier Zimmer erhielten Tapeten und Originalmöbel aus der Belle Époque.

Das Hotel Ofenhorn bewarb sich um die Auszeichnung der «Swiss Historic Hotels» und erhielt diese im Mai 2008, just auf das 125-Jahr-Jubiläum hin.

Seit 2008 verfügt das Hotel auch über eine umweltfreundliche und klimaneutrale Holzfeuerung, an die zwei Gebäude der Gemeinde angeschlossen sind, das Regionalmuseum und das Haus zur Brücke (Restaurant, Schule). Gleichzeitig wurden die Haustechnik (inkl. Wasser- Abwasser- und Stromleitungen) in den beiden untersten Geschossen vollständig erneuert.

Im Winter 2008/09 wurden weitere acht Zimmer stilgerecht restauriert und mit modernen Nasszellen ausgestattet. Als Vorbild für die «Glasboxen» mit WC/Dusche dienten die Anlagen, die der Architekt Heini Dalcher im Kurhaus in Bergün realisiert hatte.

Nach einer einjährigen Pause wurde im Winter 2010/11 die Restaurierung wieder aufgenommen. Die «Petite salle» und die «Salle à Manger» kamen an die Reihe. An der Decke des Speisesaals wurden verschiedene Architekturbänder entdeckt und in wochenlanger Kleinarbeit von zwei Restauratoren frei gelegt. Die Tapeten mit den Rosenmustern wurden aufgrund von Fundstücken um 1900 im originalen Verfahren auf einer historischen Maschine nachgedruckt. Auch wurden die beiden Cheminées wieder ans Tageslicht geholt, wobei sich eines als Attrappe erwies. Grosses Gewicht wurde auch auf die Möblierung gelegt: Tische von Horgen Glarus und Wienerstühle von TON. Die Salle à Manger ist zweifelsohne das Prunkstück des Hotels Ofenhorn.

Im Winter 2012 wurden die Restaurierungsarbeiten im Untergeschoss mit dem Ausbau einer Gästegarderobe sowie der Renovation der Lingerie fortgeführt.

Auch im Winter  2013 konnte die Genossenschaft eine wichtige Restaurierungsetappe realisieren. Fünf Zimmer und die beiden Korridore im 2. und 3. Obergeschoss wurden sanft und stilgerecht aufgefrischt. 

Die Genossenschaft hat im Winter 2016 das Treppenhaus – als letzten öffentlichen Raum – sorgfältig erneuert und den Brandschutz den aktuellen Anforderungen angepasst. Dabei wurden die Treppenstufen gereinigt, das historische Geländer instand gestellt, die Wände und Decken von Farbschichten befreit und ihre Malereien aus der Jahrhundertwende konserviert und wo notwendig ergänzt. Allein die Brandschutzmassnahmen, die möglichst denkmalverträglich umgesetzt wurden, verursachten Kosten von 160'000 Franken. 

Auch nach dieser Etappe ist die Gesamtrestaurierung noch nicht abgeschlossen. Die Arbeiten werden etappenweise weitergeführt, jeweils anhand der vorhandenen finanziellen Mittel. Acht Zimmer warten noch auf das passende Kleid im Stil des Fin de Siècle. Ein ferneres Ziel ist der Ausbau des Dachraums.

Für die Vollendung der Restaurierung ist die Genossenschaft Pro Binntal weiterhin auf finanzielle Zuwendungen in Form von Spenden, Gönnerbeiträgen oder Anteilscheinen angewiesen.


 

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